Hallo liebe Fredi,
ich kann dir vermutlich nur bedingt weiterhelfen, weil es bei mir eine ganz andere Baustelle war/ist, aber ich war auch oft in der Situation, dass andere Menschen nicht wussten wie sie mit mir umgehen sollten nach meiner Krebserkrankung.
Mir ging es immer so, dass ich, wenn ich schon so weit war mich mit jemandem zu treffen, bereits darauf vorbereitet war dass Fragen kommen würden und ich konnte und wollte in Ruhe darüber sprechen. Ich war sogar meinerseits vorsichtig, was die andere Person aushalten konnte und ob es sie überhaupt interessiert hat von meiner Krankheit zu hören.
Deiner Kollegin wird klar sein, dass du keine Therapeutin bist und sie wird von dir nicht erwarten, dass du super Tipps für ihre Situation hast. Ein offenes Ohr, ehrliches Interesse und Mitgefühl (nicht Mitleid!) sind der Hauptgewinn.
Vielleicht noch als Tipp, der mir gerade einfällt: ziehe keine Vergleiche. Also (um beim Krebs-Beispiel zu bleiben) nicht auf ihre Schilderungen hin sagen „ah ja, ich kenne einen, der hatte dasselbe wie du und der ist tot.“ (Habe ich wirklich so zu hören bekommen

)
Ihre Situation ist für sie vermutlich erstmal einzigartig und als selbst Nicht-Betroffene kann man das Gefühlsspektrum und alle Auswirkungen, die die spezifische Situation hat, meist nicht ganz erfassen.
Was mir auch immer sehr gut getan hat, war, wenn die andere Person offen und ehrlich gesagt hat „Es tut mir so leid und ich weiß gar nicht was ich sagen soll“. Also du könntest es offen ansprechen, dass du gerne zuhörst, aber unsicher bist und sie vielleicht direkt fragen, wo ihre Grenzen liegen. Es geht ja jeder anders mit so einem Schicksalsschlag um. Vielleicht möchte sie auch gar nicht darüber sprechen und sich schön ablenken an diesem Abend
Dass du dir extra die Mühe machst hier zu fragen und dir so viele Gedanken darum machst, zeigt ja schon, dass du eine umsichtige und feinfühlige Person bist. Damit kann gar nix mehr schief gehen
