Hallo liebe Fliegerliebe,
vielleicht erinnerst du dich an mich - wir haben 2021 gemeinsam gehibbelt und waren ungefähr zeitgleich schwanger. Es tut mir so leid zu lesen, dass euer Löwenmädchen nach dem verfrühten Start ins Leben nun auch noch diese Krankheit mit sich trägt.

Es tut mir leid ist eigentlich noch zu schwach, aber für so eine Situation gibt es keine richtigen oder tröstenden Worte. Im echten Leben würde ich dich fest umarmen. Ein unfaires Schicksal. Ich hoffe sehr für euch, dass die Ausprägung bei eurem Löwenmädchen medizinisch behandelbar ist.
Du siehst es an meiner Signatur - nach der Fehlgeburt bin ich nun im IVF/ICSI-Zug gelandet. Die liebe Sumsimitpo ist auch Mitglied im Club, in den keiner möchte, und muss aufgrund einer Translokation der Gene ebenfalls den Weg über PID gehen. Wenn du dich also überwinden kannst oder Sumsi privat schreibst, kann sie dir vielleicht ein paar Fragen beantworten. Um im IVF/ICSI Faden zu schreiben, musst du übrigens nicht grundlegend unfruchtbar sein. Es gibt ja auch Frauen, die nach einer unkomplizierten ersten Schwangerschaft in die sekundäre Infertilität geraten (z.B. die liebe Vivo).
Wie Vivianlies schon schreibt - der IVF/ICSI Prozess ist vor allem eins nicht: billig. Sumsi muss die Behandlung (obwohl sie habituelle Aborte hat) durch die PID selbst bezahlen. Die Behandlung selbst dauert ja nur wenige Wochen - ich hab es noch nicht gemacht, aber vor der Behandlung hab ich noch am wenigsten Angst. Da bei euch sonst keine grundlegenden Fruchtbarkeitshindernisse bekannt sind, könnte es hoffentlich auch schneller klappen als bei anderen Paaren, sobald ein gesunder Embryo eingesetzt wird.
Wenn du dich in den medizinischen Prozess mal einlesen willst, kann ich dir "Das Kinderwunschbuch" von Nadine Al-Kaisi empfehlen. Dort wird auch PID kurz beschrieben, aber auch alle anderen Arten der assistierten Befruchtung und auch Risiken der Behandlung.
Die andere Möglichkeit wäre natürliche Empfängnis und Pränatal-Diagnostik. In dem Fall müsst ihr euch aber vorab überlegen, was ihr mit einer Diagnose macht. Mir persönlich würde die IVF/ICSI deutlich leichter fallen, als eine bestehende Schwangerschaft abzubrechen.
Die Entscheidung dazu ist ein Prozess. Informiert euch, lest euch ein, sprecht mit anderen betroffenen Paaren wenn möglich, sprecht mit euren Ärzten. Und vor allem redet offen miteinander darüber, was ihr fühlt, was ihr euch wünscht und was ihr zu tun bereit seid. Manchmal muss man sich an einen Weg, den man nicht gewählt hat, erstmal gewöhnen. Als wir unsere Diagnosen bekommen haben, haben wir beide auch nicht sofort gedacht "Dann halt die ICSI, ist doch egal!" Man hat eine gewisse Vorstellung, wie man eine Familie gründet, wie man Kinder zeugt. Und in dieser Vorstellung sind sicher keine Ärzte involviert.
Liebe Grüße
Trillian